
PISA 2025: Warum die frühe Sprach- und Leseförderung jetzt zum zentralen Hebel wird
PISA 2025 liefert die schwächsten Lesewerte seit 2000. Fachverbände reagieren mit berufsbegleitenden Fortbildungen, die schon vor der Einschulung ansetzen.
Aktuelle Entwicklung & wissenschaftlicher/fachlicher Hintergrund
Am 8. September 2026 hat die OECD die Ergebnisse von PISA 2025 vorgelegt – für Deutschland die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Erhebungen, sogar unter dem Niveau der ersten PISA-Studie im Jahr 2000: 486 Punkte in den Naturwissenschaften, 465 im Lesen und 464 in der Mathematik (OECD-Schnitt: 482/461/463). Rund ein Drittel der getesteten 15-Jährigen erreicht im Lesen und in Mathematik nicht die Basiskompetenzstufe, in den Naturwissenschaften etwa ein Viertel. Der Anteil der „flüchtig Lesenden“ hat sich seit 2018 fast verdoppelt. Besonders alarmierend: Die Kopplung von Bildungserfolg an die soziale Herkunft ist so stark wie nie zuvor – Studienleiter Samuel Greiff (TU München) beziffert den Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und Kompetenz auf etwa das Dreifache des Werts von Kanada.
Bemerkenswert für den Elementarbereich: Greiff nennt als eine der drei großen Baustellen ausdrücklich die frühkindliche Bildung und damit die Zeit vor der Einschulung. Die Reaktionen der Bildungsakteure zielen denn auch nach vorn. Das BMBFSFJ verweist auf das gerade beschlossene Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz (SCQEG), mit dem sprachliche und andere Förderbedarfe früher erkannt und mit Förderung verbunden werden sollen. Die Stiftung Lesen fordert „mehr frühkindliche Leseförderung in den Familien, Sprachförderung und Vorleseaktionen in allen Kitas“ sowie Sprachstandserhebungen, aus denen sich verbindliche Maßnahmen ableiten; Hauptgeschäftsführer Jörg F. Maas setzt die Zielmarke: „10 Minuten Vorlesen am Tag muss zum normalen Alltag gehören, wie tägliches Zähneputzen.“ Zugleich kritisiert er, dass niedrigschwellige Programme wie „Lesestart 1–2–3“, die Familien über Kinderarztpraxen und Büchereien erreichen, vor dem Aus stehen.
Der Bundesverband Leseförderung hat am 9. September mit „Literacy kompakt“ eine bundesweite berufsbegleitende Fortbildungsreihe für Kitas aufgelegt (Zertifikat „Literacy-Fachkraft“ bzw. „Literacy-Begleiter:in“, erste Termine ab November 2026 in Aachen). Der Deutsche Philologenverband verlangt eine konsequente vorschulische Sprachdiagnostik mit verbindlich anschließender Förderung. Das DIPF ordnet die Befunde so ein: Der Engpass des Systems liege nicht im Erkennen von Problemen, sondern zwischen Diagnose und tatsächlicher Förderung. Demgegenüber warnen die Kita-Fachkräfteverbände (11.09.2026) vor „mehr Tests statt mehr Personal“: Zusätzliche Diagnostik- und Förderpflichten träfen auf Kürzungen, Pool-Lösungen bei Inklusions- und Kita-Assistenzen und eine auf 2028 verschobene Kita-Gesetz-Evaluation.
Praxistransfer & Handlungsimpulse
Für Sprachförderkräfte
- Machen Sie dialogisches Vorlesen zur festen, dokumentierten Routine (nicht zum Event) und nutzen Sie Beobachtungen daraus als Grundlage für Elterngespräche – statt auf neue Screening-Wellen zu warten.
- Nutzen Sie das neue Fortbildungsformat „Literacy kompakt“ oder bestehende Qualifizierungen, um Literacy-Erwerb und Mehrsprachigkeit systematisch zu verknüpfen.
Für pädagogische Fachkräfte im Gruppenalltag
- Planen Sie täglich zehn Minuten gemeinsames Lesen mit offenen Fragen („Was siehst du? Was denkst du, warum …?“) – das schafft Sprechanlässe und Wortschatz, auch bei kurzer Kontaktdauer mit dem Deutschen.
- Bringen Sie Bücher und Geschichten in alle Bereiche (Bau-, Rollenspiel-, Essbereich) und beziehen Sie Familiensprachen über mehrsprachige Bilderbücher ein.
Für Kita-Leitungen
- Verankern Sie Vorlesen und Literacy als Qualitätsmerkmal im Konzept – mit Zeitfenstern im Dienstplan, Bücherei-/Vorlesepatenschaften und Buchzugang für Familien (Büchereiausweise, Lesestart-Materialien).
- Bringen Sie den Widerspruch sichtbar in die Kommunalpolitik: Ohne zusätzliche Zeit- und Personalressourcen bleiben Diagnostik und verbindliche Förderung Absichtserklärungen.
Häufige Fragen
Wie schneidet Deutschland bei PISA 2025 ab? Mit den niedrigsten Kompetenzwerten seit Beginn der Erhebungen: 486 Punkte in den Naturwissenschaften, 465 im Lesen und 464 in der Mathematik (OECD-Schnitt: 482/461/463).
Was folgt daraus für den Elementarbereich? Die frühkindliche Bildung wird ausdrücklich als eine der drei großen Baustellen genannt. Das BMBFSFJ verweist auf das SCQEG, die Stiftung Lesen fordert mehr frühkindliche Leseförderung.
Was ist „Literacy kompakt“? Eine bundesweite berufsbegleitende Fortbildungsreihe des Bundesverbands Leseförderung für Kitas, mit Zertifikat „Literacy-Fachkraft“ bzw. „Literacy-Begleiter:in“ und ersten Terminen ab November 2026 in Aachen.
Quellen & Referenzen
- BMBFSFJ: „PISA 2025 zeigt deutlich: Basiskompetenzen stärken, Bildungschancen verbessern“ (08.09.2026): https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/aktuelles/pressemitteilungen/pisa-2025-zeigt-deutlich-basiskompetenzen-staerken-bildungschancen-verbessern-293974
- OECD: PISA 2025 Ergebnisse (Band I), Ländernotiz Deutschland: https://www.oecd.org/content/dam/oecd/de/publications/reports/2026/09/pisa-2025-results-volume-i-country-notes_88d1164e/germany_20677961/8a1ce578-de.pdf
- Stiftung Lesen: „PISA 2025: Jeder dritte Jugendliche liest auf kritisch niedrigem Niveau“ (08.09.2026): https://www.stiftunglesen.de/ueber-uns/newsroom/pressemitteilung-detail/pisa-2025-jeder-dritte-jugendliche-liest-auf-kritisch-niedrigem-Niveau
- Bundesverband Leseförderung: „PISA-Ergebnisse 2026: Leseförderung muss früher beginnen“ – Start von „Literacy kompakt“ (09.09.2026): https://www.bundesverband-lesefoerderung.de/2026/09/pisa-ergebnisse-2026-lesefoerderung-muss-frueher-beginnen/
- Deutscher Philologenverband: Stellungnahme zu PISA 2025 – vorschulische Sprachdiagnostik und Sprachförderung (08.09.2026): https://www.dphv.de/presse-medien/pressemeldungen/
- DIPF: „PISA 2025: Der Engpass im Bildungssystem liegt zwischen Wissen und Wirkung“: https://www.dipf.de/de/dipf-aktuell/mediathek-1/einblicke-und-denkanstoesse/pisa-2025-der-engpass-liegt-zwischen-wissen-und-wirkung
- Verband KiTa-Fachkräfte Rheinland-Pfalz über erzieherin.de: „Stärkung der frühkindlichen Bildung mit weniger Ressourcen?“ (11.09.2026): https://www.erzieherin.de/schlechtestes-pisa-ergebnis-seit-beginn-der-erhebungen-staerkung-der-fruehkindlichen-bildung-mit-weniger-ressourcen.html
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