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Sprachbildung & Mehrsprachigkeit

Aus für „Lesestart 1–2–3", Start für mehrsprachige Leseförderung: Was der Förderwechsel für Kitas bedeutet

Die Bundesförderung für Lesestart 1–2–3 endet 2026. Das Nachfolgeprojekt setzt auf mehrsprachige Lesesets und Medienboxen für Kitas und Aufnahmeeinrichtungen.

Aktuelle Entwicklung & wissenschaftlicher/fachlicher Hintergrund

Die Bundesförderung für „Lesestart 1–2–3" läuft Ende 2026 aus. Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) hat bestätigt, dass das seit 2011 von der Stiftung Lesen durchgeführte Programm ab 2027 keine Mittel mehr erhält. Begründung des Ministeriums: Nach Zuwendungsrecht dürfe Projektförderung nur befristet laufen – seit 2011 seien rund 40 Millionen Euro geflossen. Das Programm gilt als die niedrigschwelligste Struktur der frühen Sprach- und Leseförderung in Deutschland: Familien erhalten bei den Vorsorgeuntersuchungen U6 und U7 in über 6.000 Kinder- und Jugendarztpraxen und in mehr als 5.500 Bibliotheken Buchgeschenke samt mehrsprachiger Vorlesetipps. Laut Stiftung Lesen werden damit rund 90 Prozent der Familien erreicht – unabhängig von Einkommen, Bildungshintergrund oder Herkunft. Der Finanzbedarf liegt bei etwa 2,5 Millionen Euro pro Geburtsjahrgang, umgerechnet rund 4 Euro pro Kind und Jahr.

Der Protest gegen das Aus ist breit und kommt nicht nur aus der Stiftungslandschaft: Der Bundesverband Leseförderung verweist darauf, dass kein anderes Angebot Familien so früh und flächendeckend erreicht; die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen nennt die Entscheidung ein „fatales Signal", die Kinderbuchverlage der Bonnier-Gruppe (u. a. Carlsen, arsEdition, Thienemann-Esslinger) warnen, dass kein anderes Förderprogramm so früh ansetze. Die Stiftung Lesen fährt mit der Kampagne „Rettet Lesestart 1–2–3" eine E-Mail-Aktion an Abgeordnete, um über die Haushaltsberatungen doch noch eine Weiterfinanzierung zu erreichen.

Als Nachfolge verweist das Ministerium auf das neue, ebenfalls von der Stiftung Lesen umgesetzte Projekt „Lesestart: Geschichten sprechen deine Sprache". Es ist bis Ende 2028 angelegt, richtet sich vor allem an Bildungseinrichtungen und Aufnahmeeinrichtungen und hat drei Bausteine: mehrsprachige Lesestart-Sets für Familien, die das Vorlesen in den Erstsprachen stärken, Lese- und Medienboxen für Kitas, Schulen, Erstaufnahme- und soziale Einrichtungen sowie digitale Fortbildungen für Fachkräfte und freiwillig Engagierte. Bis Ende 2028 sollen rund 800 Einrichtungen teilnehmen; die Anmeldung läuft offen über die Website der Stiftung Lesen. Fachlich ist der Ansatz richtig gesetzt – Studien und die Sprachlehrforschung zeigen, dass Kinder, die ihre Erstsprachen pflegen dürfen und parallel Deutsch lernen, bessere Bildungschancen haben. Die Lücke bleibt trotzdem: Das neue Projekt braucht eine Einrichtung, die es anmeldet und umsetzt; die Pappbilderbücher beim Kinderarzt erreichten auch Familien, die keine Kita und keine Beratungsstruktur anbinden.


Praxistransfer & Handlungsimpulse

Für Sprachförderkräfte

  • Vorlesen mehrsprachig verankern: Bücher in den Familiensprachen der Gruppe anschaffen (Bezugsquellen: mehrsprachige Lesestart-Sets, kommunale Bibliothek, Migrantenselbstorganisationen) und mit einzelnen Familien eine feste Vorlesezeit von 10 Minuten pro Tag vereinbaren.
  • Digitale Fortbildungen als Türöffner nutzen: Die kostenfreien Online-Formate zu Mehrsprachigkeit im Alltag als Teamtermin einplanen – gemeinsam ansehen, danach eine Methode (dialogisches Lesen, Erzählkreis mit Bildkarten) für vier Wochen verabreden.

Für pädagogische Fachkräfte im Gruppenalltag

  • Family-Literacy-Routinen aufbauen: Vorlesebeutel oder Bücherkoffer mit mehrsprachigen Büchern und einem kurzen Impulsblatt („Worüber könnt ihr sprechen?") im Wochenrhythmus ausgeben – das ersetzt das wegfallende Buchgeschenk in der eigenen Einrichtung.
  • Übergänge zur Bibliothek schaffen: Mit der Stadtbibliothek eine feste Kooperation (Bücherei-Führung, Ausleihkarten für die Gruppe, Lesestart-Aktion) vereinbaren; Bibliotheken bleiben Teil des Lesestart-Netzwerks.

Für Kita-Leitungen

  • Lese- und Medienboxen beantragen: Prüfen, ob die Einrichtung für das Nachfolgeprojekt anmeldefähig ist, und den Platz im Medien- oder Sprachkonzept verankern, bevor die Anmeldefrist endet.
  • Wegfall kompensieren, nicht ignorieren: Im Elternbrief und auf dem Elternabend offen benennen, dass die bundesweite Buchausgabe beim Kinderarzt endet, und die eigene Kita-Zeitschrift, Büchertauschregal oder Vorlese-Omas als Ersatz benennen.
  • Förderpolitik dokumentieren: Eigene Ausleihzahlen, Vorleseaktivitäten und Elternbeteiligung erfassen – belastbare Zahlen aus der Praxis sind das wirksamste Argument, wenn über Länderprogramme zur frühen Leseförderung entschieden wird.

Häufige Fragen

Wann endet die Bundesförderung für „Lesestart 1–2–3“? Ende 2026. Seit 2011 sind laut Ministerium rund 40 Millionen Euro geflossen, ab 2027 gibt es keine Mittel mehr.

Was folgt auf das Programm? Das Projekt „Lesestart: Geschichten sprechen deine Sprache“, ebenfalls von der Stiftung Lesen umgesetzt und bis Ende 2028 angelegt.

Aus welchen Bausteinen besteht das Nachfolgeprojekt? Aus mehrsprachigen Lesestart-Sets für Familien, Lese- und Medienboxen für Einrichtungen sowie digitalen Fortbildungen für Fachkräfte.


Quellen & Referenzen

  • Stiftung Lesen: „Jetzt anmelden: Neues bundesweites Projekt unterstützt mehrsprachige Familien" – Projektbeschreibung „Lesestart: Geschichten sprechen deine Sprache", Anmeldung und Ziele bis 2028. stiftunglesen.de
  • Stiftung Lesen: Projektdetail „Lesestart: Geschichten sprechen deine Sprache" für soziale Einrichtungen. stiftunglesen.de
  • Stiftung Lesen: Kampagne „Lesestart 1–2–3 retten" mit Faktenblatt, Netzwerkzahlen (6.000 Arztpraxen, 5.500 Bibliotheken) und Kostenargument. stiftunglesen.de
  • Börsenblatt: „Programm ‚Lesestart 1–2–3' soll auslaufen – Kritik von Verbänden" (17.06.2026) – Stellungnahmen von Stiftung Lesen und Bundesverband Leseförderung. boersenblatt.net
  • Bundesverband Leseförderung: Zum Bildungsbericht 2026 – „Frühe Leseförderung stärken statt abbauen". bundesverband-lesefoerderung.de
  • DIE ZEIT: „Ministerium wird ‚Lesestart 1–2–3' ab 2027 nicht mehr fördern" – Begründung des BMBFSFJ und Verweis auf Nachfolgeprojekte. zeit.de
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Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung recherchiert und aus den genannten Quellen zusammengestellt. Maßgeblich sind die verlinkten Originalquellen. Hinweise oder Korrekturen an admin@connect-social.de.

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