
Ein Telefon, das zuhört: Was das KI-Sprachförderprojekt WISPER aus Wien für Kita-Teams bedeutet
Das Wiener Projekt WISPER lässt Kinder in einen Telefonhörer erzählen und versteht Rumänisch, Türkisch, Arabisch und Ukrainisch — geantwortet wird Deutsch.
Aktuelle Entwicklung & wissenschaftlicher/fachlicher Hintergrund
Am 4. September 2026 haben das AIT Austrian Institute of Technology und die Stadt Wien – Kindergärten das Ergebnis des Projekts WISPER (Wiener Spracherfahrung) vorgestellt: ein KI-basiertes „Telefon", das Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren zum Erzählen bringt. Das Kind nimmt einen klassischen Telefonhörer ab, erzählt eine Geschichte, und eine geduldige Stimme hört zu, fragt nach und entwickelt die Handlung gemeinsam mit dem Kind weiter. Am Ende druckt das Gerät ein Bild zur entstandenen Geschichte aus. Das Projekt lief vom 1. März 2025 bis 31. August 2026, wurde im Rahmen des städtischen Innovationsmanagements gefördert und ist für den eAward 2026 in der Kategorie „Bildung und Soziales" nominiert.
Fachlich interessant ist weniger die Technik als ihre Einbettung. WISPER wurde ausdrücklich nicht am Reißbrett, sondern gemeinsam mit den Sprachförderkräften der städtischen Kindergärten nach Prinzipien des User Centered Designs entwickelt. Es soll Sprachförderangebote ergänzen und nicht ersetzen: „Bei WISPER geht es nicht darum, Technologie an die Stelle von Pädagogik zu setzen", betont Projektleiter Georg Regal (AIT Center for Technology Experience). Die Ausgangslage ist deutlich – rund 26.000 der etwa 88.000 Kinder in Wiens Kindergärten (etwa 30 Prozent) haben eine andere Erstsprache als Deutsch; laut Projektleiter Christian Vogelauer hat jedes dritte Kind erhöhten Sprachförderbedarf.
Das System adressiert zwei bekannte Gelingensbedingungen früher Sprachbildung: Redefluss und Sprechmut. Kinder, die noch unsicher im Deutschen sind, können während des Gesprächs kurz in ihre Erstsprache wechseln – WISPER versteht Äußerungen unter anderem auf Rumänisch, Türkisch, Arabisch und Ukrainisch, antwortet aber konsequent auf Deutsch. Damit entsteht eine Übungssituation, in der Fehler folgenlos bleiben. Die Gespräche liegen laut Anbieter auf AIT-Servern in Wien und werden ausschließlich für das Projekt genutzt.
Die Evidenzlage bleibt vorerst dünn: Der Pilotbetrieb in einem Kindergarten in Wien-Floridsdorf wird vom AIT methodisch begleitet und ausgewertet – belastbare Wirkungsnachweise auf die Sprachentwicklung stehen noch aus. Genau hier liegt der Prüfstein für vergleichbare Vorhaben: Entscheidend ist nicht, ob Kinder Spaß haben (das tun sie erfahrungsgemäß schnell), sondern ob sich die Zahl der Sprachanlässe und die Interaktionsqualität im Alltag erhöhen.
Praxistransfer & Handlungsimpulse
Für Sprachförderkräfte
- Sprachförderkräfte sind die eigentliche Zielgruppe solcher Systeme: Formulieren Sie vor einer Erprobung, welche Aufgabe das System übernehmen soll (z. B. freies Erzählen ohne Zeitdruck in Einzelsituationen) und welche ausdrücklich nicht.
- Beobachten Sie mit, welche Kinder das Angebot nutzen und ob Redeanteile tatsächlich steigen; dokumentieren Sie zwei, drei Beispielsequenzen für das Team.
Für pädagogische Fachkräfte im Gruppenalltag
- Das Grundprinzip funktioniert auch ohne KI: eine feste „Erzählinsel" mit Telefonhörer, Kopfhörer oder Mikrofon, in der Kinder ungestört und ohne Korrektur erzählen dürfen.
- Nutzen Sie aktive Mehrsprachigkeit als Brücke – kurze Wechsel in die Familiensprache sind erlaubt, die Antwort kommt auf Deutsch. Das senkt die Hemmschwelle und hält das Gespräch in Gang.
Für Kita-Leitungen
- Vor jeder digitalen Sprachförder-Anwendung drei Fragen klären: Wem entlastet es, wem nicht? Wo werden Sprachdaten verarbeitet (Serverstandort, Zweckbindung, Löschkonzept)? Und wer qualifiziert das Team für den Einsatz?
- Pilotphasen klein halten: eine Gruppe, ein Zeitfenster, definierte Beobachtungskriterien – und nach vier bis sechs Wochen auf Basis der Notizen entscheiden, ob erweitert oder beendet wird.
Häufige Fragen
Was ist WISPER? Ein KI-basiertes „Telefon“ des AIT Austrian Institute of Technology und der Stadt Wien – Kindergärten, das Kinder zwischen drei und sechs Jahren zum Erzählen bringt. Am Ende druckt das Gerät ein Bild zur entstandenen Geschichte.
Welche Sprachen versteht WISPER? Es versteht Äußerungen unter anderem auf Rumänisch, Türkisch, Arabisch und Ukrainisch, antwortet aber konsequent auf Deutsch.
Ist die Wirkung belegt? Noch nicht. Der Pilotbetrieb in einem Kindergarten in Wien-Floridsdorf wird ausgewertet, belastbare Wirkungsnachweise auf die Sprachentwicklung stehen aus.
Quellen & Referenzen
- AIT Austrian Institute of Technology: „AIT und Stadt Wien: Innovative Sprachförderung im Kindergarten" (Presseaussendung, 04.09.2026). presse.ait.ac.at
- APA-OTS: Meldung zum selben Projekt (04.09.2026). ots.at
- Stadt Wien – Kindergärten: Informationen zu Sprachbildung und Sprachförderung. wien.gv.at
- AIT Center for Technology Experience: Projekt- und Forschungskontext zu Human-AI-Experience. ait.ac.at
Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung recherchiert und aus den genannten Quellen zusammengestellt. Maßgeblich sind die verlinkten Originalquellen. Hinweise oder Korrekturen an admin@connect-social.de.