
Translanguaging in der Kita: Wie dynamische Mehrsprachigkeit als Bildungsressource gelingt
Fachbeiträge von DJI und WiFF ordnen dynamische Mehrsprachigkeit neu ein: Wie Teams das gesamte Sprachenrepertoire von Kindern im Alltag nutzbar machen.
Aktuelle Entwicklung & wissenschaftlicher/fachlicher Hintergrund
In der Frühpädagogik vollzieht sich ein grundlegender Paradigmenwechsel: Weg von einem rein defizitorientierten Blick („Monolingualer Habitus“), der die Familiensprachen mehrsprachiger Kinder im Kita-Alltag oft an den Rand drängte, hin zum Konzept des Translanguaging (dynamische Mehrsprachigkeit). Neuere Fachbeiträge des Deutschen Jugendinstituts (DJI), der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) sowie aktuelle Fachtexte des nifbe heben hervor, dass mehrsprachige Kinder nicht über getrennte Sprachsysteme verfügen, sondern über ein integriertes, dynamisches Sprachrepertoire.
Wenn Kinder ermutigt werden, ihr gesamtes sprachliches Repertoire flexibel zu nutzen (z. B. beim Erzählen, Planen im Freispiel oder Lösen von Denkaufgaben), stärkt dies nachweislich nicht nur ihr sprachliches Selbstkonzept und ihre Identität, sondern bildet auch das fundamentale kognitive Gerüst für den sicheren Erwerb des Deutschen als Zweitsprache. Alltagsintegrierte Sprachbildung bedeutet daher heute: Sprachenvielfalt sichtbar machen, Wechselwirkungen zwischen Erst- und Zweitsprache positiv begleiten und Scaffolding-Strategien konsequent im Dialog anwenden.
Einordnung: Was bedeutet das für Kitas?
Der Beitrag verschiebt die Frage von „Wie bringen wir den Kindern Deutsch bei?“ zu „Wie nutzen wir alles, was Kinder sprachlich mitbringen?“. Für den Alltag heißt das: Mehrsprachigkeit ist kein Zusatzprogramm, sondern eine Haltung, die sich in Gesprächen, Raumgestaltung und Konzeption zeigen muss.
Betroffen sind vor allem Teams, die bisher mit additiver Deutschförderung arbeiten. Sie müssen Zeit für Reflexion einplanen, denn der Beitrag nennt ausdrücklich eigene Vorbehalte, etwa die Sorge vor Kontrollverlust, wenn Kinder in anderen Sprachen sprechen. Offen bleibt, wie sich die Wirkung im einzelnen Haus überprüfen lässt. Hier hilft eine strukturierte Beobachtung, die das gesamte Sprachrepertoire erfasst und nicht nur das Deutsche.
Praxistransfer & Handlungsimpulse
Für Sprachförderkräfte
- Translanguaging-Zonen etablieren: Schaffen Sie gezielt Räume und Interaktionssettings, in denen Kinder untereinander in ihren Familiensprachen Bedeutungen aushandeln und diese anschließend mit Unterstützung der Fachkraft ins Deutsche transferieren (Ko-Konstruktion).
- Gezielte Scaffolding-Techniken schulen: Wenden Sie systematisch Sprachlehrstrategien an – wie z. B. offene W-Fragen, korrektives Feedback (Umformulierungen ohne Bloßstellung), Expansionen (Erweitern von kindlichen Ein- bis Zweiwortäußerungen) und bewusstes Verlangsamen des eigenen Sprechtempos.
Für pädagogische Fachkräfte im Gruppenalltag
- Sprachliche Neugier wecken: Nutzen Sie Alltagssituationen (Morgenkreis, Mahlzeiten, Wickeln), um Begrifflichkeiten in verschiedenen Sprachen aufzugreifen („Wie heißt ‚Guten Appetit‘ bei dir zu Hause?“).
- Mehrsprachige Bild- und Wortkarten bereitstellen: Gestalten Sie Garderobenplätze, Spielecken und Materialboxen mit Piktogrammen und mehrsprachigen Beschriftungen, um Orientierung zu bieten und die Wertschätzung aller Familiensprachen im Raum sichtbar zu machen.
Für Kita-Leitungen
- Konzeptionelle Verankerung: Überführen Sie die einrichtungsinterne Sprachkonzeption von einer rein additiven Deutschförderung hin zu einem ganzheitlichen, alltagsintegrierten Mehrsprachigkeitskonzept.
- Teamreflexion & vorurteilsbewusste Haltung: Ermöglichen Sie Fortbildungen zur Reflexion eigener sprachlicher Vorbehalte (z. B. Angst vor Kontrollverlust, wenn Kinder in anderen Sprachen sprechen) und etablieren Sie feste Reflexionszeiten im Team.
Häufige Fragen
Was bedeutet Translanguaging? Gemeint ist die dynamische Nutzung des gesamten sprachlichen Repertoires. Mehrsprachige Kinder verfügen laut Beitrag nicht über getrennte Sprachsysteme, sondern über ein integriertes Repertoire.
Schadet es dem Deutschlernen, wenn Kinder ihre Familiensprache nutzen? Nach dem Beitrag stärkt der flexible Gebrauch aller Sprachen das sprachliche Selbstkonzept und bildet das kognitive Gerüst für den sicheren Erwerb des Deutschen als Zweitsprache.
Wie lässt sich das im Kita-Alltag umsetzen? Etwa durch Translanguaging-Zonen für Gespräche in den Familiensprachen, mehrsprachige Beschriftungen und Scaffolding-Strategien wie offene W-Fragen und Expansionen.
Quellen & Referenzen
- Deutsches Jugendinstitut (DJI) / BiSS-Transfer: Alltagsintegrierte Sprachbildung und Mehrsprachigkeit im Elementarbereich. https://www.dji.de | https://www.biss-sprachbildung.de
- Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF): Mehrsprachigkeit in Kindertageseinrichtungen – Fachwissen und Impulse für die Praxis. https://www.weiterbildungsinitiative.de
- Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe e.V.): Dynamische Mehrsprachigkeit und alltagsintegrierte Sprachbildung. https://www.nifbe.de
- ErzieherIn.de: Fachbeiträge zur Mehrsprachigkeit und alltagsintegrierten Sprachbegleitung. https://www.erzieherin.de
Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung recherchiert und aus den genannten Quellen zusammengestellt. Maßgeblich sind die verlinkten Originalquellen. Hinweise oder Korrekturen an admin@connect-social.de.