
56 Empfehlungen für den Kinder- und Jugendmedienschutz: Abschlussbericht mit klarem Auftrag an Kitas
Der Abschlussbericht der Expertenkommission liegt vor: 56 Empfehlungen ordnen Schutzaufgaben auch den Jüngsten, ihren Familien und den Einrichtungen zu.
Aktuelle Entwicklung & wissenschaftlicher/fachlicher Hintergrund
Am 11. September 2026 hat die Unabhängige Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ ihren Abschlussbericht an Bundesbildungs- und Bundesfamilienministerin Karin Prien übergeben. Der 319-seitige Bericht bündelt die Ergebnisse aus knapp einem Jahr Arbeit: die Bestandsaufnahme vom April 2026, die im Juni übergebenen 56 evidenzbasierten Handlungsempfehlungen, sechs Expertenhearings (Februar bis Mai 2026) sowie eine eigene Beteiligung von Kindern und Jugendlichen – in sieben bundesweiten Workshops diskutierten mehr als 100 junge Menschen und formulierten 70 Forderungen. Leitmotiv ist „Entwicklung stärken, Verantwortung übernehmen“; Schutz, Befähigung und Teilhabe werden ausdrücklich als zusammengehörender Dreiklang verstanden (Kinderrechte digital / Stiftung Digitale Chancen in Kooperation mit dem BMBFSFJ).
Für die Frühpädagogik ist der Bericht deshalb relevant, weil er den Schutz nicht erst ab dem Grundschulalter ansetzt, sondern die gesamte Biografie in den Blick nimmt. Er unterscheidet Altersphasen und ordnet ihnen Aufgaben zu: Für die 0- bis 2-Jährigen stehen Nähe, Sprache, Bewegung und gemeinsame Zeit im Vordergrund, Eltern sollen verständliche Informationen zum Mediengebrauch erhalten; für die 3- bis 5-Jährigen sollen Kinder die digitale Welt gemeinsam mit Eltern und Erzieher*innen entdecken – und die Erwachsenen dafür Unterstützung bekommen. Konkrete Kita-Bezüge enthalten mehrere Empfehlungen: Erzieher*innen sollen bereits in der Ausbildung lernen, Kinder beim Umgang mit digitalen Medien und KI zu begleiten, und sich regelmäßig weiterbilden (Empfehlung 8); Angebote für Familien mit sehr jungen Kindern und Kitas sollen Orte früher, niedrigschwelliger Beratung sein, inklusive sensibler Themen wie dem Teilen von Kinderfotos im Internet (Empfehlung 17); Selbstregulation und medienfreie Pausen sollen Familien, Kitas und Schulen gemeinsam begleiten (Empfehlung 11). Für die Elternarbeit ist Empfehlung 6 aufschlussreich: Formate, in denen Eltern von Eltern lernen – im Bericht ausdrücklich am Beispiel des mehrsprachigen, alltagsnahen Projekts Elterntalk – sollen fortgeführt und ausgebaut werden. Ehrlich eingeordnet: Die Empfehlungen sind kein Gesetzestext. Sie sind die fachliche Grundlage einer im Koalitionsvertrag zugesagten Gesamtstrategie der Bundesregierung; ob und wann daraus verbindliche Standards für Kitas werden, ist offen. Parallel wirbt Prien auf EU-Ebene für einheitliche Regeln, etwa ein Mindestalter von 13 Jahren für soziale Medien.
Praxistransfer & Handlungsimpulse
Für Sprachförderkräfte
- Digitale Medien als Gesprächsanlass nutzen statt als Gegensatz zur Sprachbildung: gemeinsames Betrachten eines Fotos oder einer kurzen Audioaufnahme im Morgenkreis liefert Erzählanlässe und Fachwortschatz („aufnehmen“, „abspielen“, „laut/leise“).
- Medien als Gesprächsthema mit Eltern nutzen: Fragen wie „Was schaut Ihr Kind gern? Wie sprechen Sie darüber?“ öffnen mehrsprachige, wertschätzende Gespräche – ohne Belehrung.
Für pädagogische Fachkräfte im Gruppenalltag
- Vor der ersten Foto-, Video- oder Audioarbeit mit Kindern das Einverständnis der Eltern klären und im Team festhalten, wo Aufnahmen gespeichert und wann sie gelöscht werden.
- Sichtbare „Medienpausen“ strukturieren: Zeiten, in denen Kinder sich bewegen, spielen und miteinander ins Gespräch kommen, bewusst einplanen und – gemäß Empfehlung 11 – auch Erwachsenenpausen im Umgang mit dem eigenen Smartphone vorleben.
- Bei belastenden Online-Erfahrungen von Familien (Kinderfotos, Ketten in Messenger-Gruppen) nicht selbst beraten, sondern an die lokale Beratungslandschaft weiterleiten – Empfehlung 3 fordert dafür eine digitale Landkarte der Hilfsangebote.
Für Kita-Leitungen
- Medienbildung als Teamthema verankern: Fortbildungsbedarf erheben und im Qualifizierungsplan verankern – die Kommission adressiert ausdrücklich Ausbildung und Weiterbildung der Fachkräfte.
- Ein Medienkonzept erstellen, das Ausstattung, Einverständnis-/Fotokonzept, Elternkommunikation und Kooperation mit Beratungsstellen (Kinder- und Jugendmedienschutz, AJS, Landesanstalten) regelt.
- Elternformate im Peer-Format aufbauen (Eltern-Kaffee zu Medienfragen, mehrsprachige Elternabende mit Dolmetsch) und dabei vorhandene Trägerstrukturen wie Elterntalk nutzen, statt ein eigenes Format zu erfinden.
Häufige Fragen
Was hat die Expertenkommission am 11. September 2026 übergeben? Ihren 319-seitigen Abschlussbericht an Bundesbildungs- und Bundesfamilienministerin Karin Prien, aufbauend auf 56 evidenzbasierten Handlungsempfehlungen.
Warum ist der Bericht für Kitas relevant? Er setzt den Schutz nicht erst im Grundschulalter an, sondern ordnet jeder Altersphase Aufgaben zu, auch den 0- bis 2-Jährigen und 3- bis 5-Jährigen.
Was empfiehlt der Bericht für 3- bis 5-Jährige? Kinder sollen die digitale Welt gemeinsam mit Eltern und Erzieher*innen entdecken.
Quellen & Referenzen
- BMBFSFJ: Unabhängige Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ – Themenseite und Download des Abschlussberichts. bmbfsfj.bund.de
- BMBFSFJ: „Entwicklung stärken, Verantwortung übernehmen“ – kindgerechte Version der Handlungsempfehlungen (Stand September 2026). PDF, bmbfsfj.bund.de
- Publikationsportal der Bundesregierung: Abschlussbericht der Kommission (Broschüre, 319 Seiten, Stand 11. September 2026). publikationen-bundesregierung.de
- Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen (kinderschutz-niedersachsen.de): „Expertenkommission legt Abschlussbericht vor“ (11. September 2026). kinderschutz-niedersachsen.de
- Kita-Bildungsserver: Materialiensammlung zu den Handlungsempfehlungen (24. Juni 2026). kita-bildungsserver.de
Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung recherchiert und aus den genannten Quellen zusammengestellt. Maßgeblich sind die verlinkten Originalquellen. Hinweise oder Korrekturen an admin@connect-social.de.