Kita-Fachnews
Holztrittsteine von einem kleinen zu einem großen Haus (Themenfeld Übergänge & Grundschule)
Übergänge & Grundschule

Vorschule von privat: Was die zweite Runde des Programms „Klasse 0" für Kitas und den Übergang bedeutet

Rund 150 Grundschulen erproben Kleingruppenförderung vor der Einschulung. Die Kita-Fachkräfteverbände begrüßen die Kooperation, sehen die Ursachen früher.

Aktuelle Entwicklung & wissenschaftlicher/fachlicher Hintergrund

Seit März 2026 erproben deutschlandweit rund 150 Grundschulen das Programm „Klasse 0 – fit für die Einschulung": Kita-Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf kommen zwei Mal pro Woche für je zwei Stunden in die Schule und werden dort in Kleingruppen von maximal zehn Kindern gefördert – in Sprache und Kommunikation, sozial-emotionaler Entwicklung, Motorik sowie ersten Lernprozessen (Mathematik, Lesen, Schreiben). Getragen wird das Programm von der Bildungsinitiative #wirfürschule, finanziert wird es privat: Die Drogeriekette ROSSMANN hatte mit einer Million Euro die erste Runde für 100 Schulen ermöglicht, BASF und Procter & Gamble stockten den Fördertopf um fast 400.000 Euro auf. Im Sommer 2026 hat ROSSMANN eine Anschlussförderung von weiteren einer Million Euro zugesagt; neu beteiligt sind unter anderem die Deutsche Bank Stiftung, die Alexander Gruner Stiftung, die Stiftung Westfalen-Initiative und die BBBank Stiftung. Je Schule gibt es bis zu 8.000 Euro pro Jahr für Honorarkräfte und Material. Im September 2026 werden die Schulen der zweiten Runde bekanntgegeben, der Programmstart ist für den 1. November 2026 vorgesehen; eine systematische Auswertung des Pilotvorhabens ist Teil des Konzepts, bereits im Mai 2026 lief dazu eine interne Wirkungsumfrage unter den beteiligten Schulen.

Der bildungspolitische Kontext ist der Grund für die Aufmerksamkeit: Nach den Schuleingangsuntersuchungen erreicht etwa jedes dritte Kind den Unterrichtsstart nicht mit ausreichenden Deutschkenntnissen; der Nationale Bildungsbericht 2026 verortet rund 20 Prozent der Unterschiede in den Sprachkompetenzen beim Schuleintritt in der sozialen Herkunft. Auf diese Befunde reagiert der Staat unterschiedlich – NRW führt ab dem Schuljahr 2028/29 verpflichtende ABC-Klassen ein, der Bund plant mit dem SCQEG verbindliche Sprach- und Entwicklungserhebungen ab vier Jahren. „Klasse 0" ist dagegen ein privat finanziertes, freiwilliges Angebot – und genau hier setzt die Kritik an.

Die Kita-Fachkräfteverbände haben im August 2026 eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht. Sie begrüßen die engere Zusammenarbeit von Kitas und Grundschulen ausdrücklich, warnen aber vor einer Verlagerung des Problems: Die eigentlichen Herausforderungen beginnen deutlich früher und hängen an Personalschlüsseln, Räumen und Zeit. Der Kita-Fachkräfteverband Niedersachsen-Bremen formuliert es so: Zusätzliche Aufgaben ohne zusätzliche Ressourcen blieben Symptombehandlung; wirksame Sprachförderung brauche Zeit, Personal und stabile Beziehungen. Fachlich stützt das die Inanspruchnahme-Logik des Programms: Ein Angebot im letzten Jahr vor der Einschulung kann kompensieren, aber keine drei Kita-Jahre alltagsintegrierter Sprachbildung ersetzen.


Praxistransfer & Handlungsimpulse

Für Sprachförderkräfte

  • Anschluss sichern: Wenn ein Kind eine „Klasse 0" besucht, den Inhalt der dortigen Sprachförderung (Wortschatzfelder, Satzmuster, Materialien) in die Wochenplanung der Kita zurückspiegeln – sonst laufen zwei Förderlogiken parallel.
  • Beobachtungen gezielt weitergeben: Sprachbiografie, Kontaktdauer zum Deutschen, bisherige Förderungen und Interessen des Kindes strukturiert an die Schule übergeben; das entlastet die Programm-Fachkraft und verhindert Doppelerhebung.

Für pädagogische Fachkräfte im Gruppenalltag

  • Übergangsprojekte klein halten: Regelmäßige Besuche in der Grundschule, ein Foto-Buch über den Schulweg oder Patenschaften mit Schulkindern wirken stärker als einmalige Aktionstage – 44 Prozent der Kitas kooperieren laut DKLK-Studie 2026 nur alle zwei bis drei Monate mit der Schule.
  • Eltern aktiv einbeziehen: Beim freiwilligen Programm „Klasse 0" entscheiden Eltern über die Teilnahme; Info-Gespräche in der Familiensprache und das Benennen des konkreten Nutzens (ganze Sätze sprechen, Wünsche äußern, sich in Kleingruppen zurechtfinden) erhöhen die Beteiligung.

Für Kita-Leitungen

  • Privat finanzierte Angebote nicht als Regelfinanzierung einplanen: Programme wie „Klasse 0" hängen an Sponsoren und laufen befristet – im Übergangskonzept als Ergänzung führen, nicht als Ersatz für Sprachbildung im letzten Kita-Jahr.
  • Kooperationszeit verhandeln: Feste, schriftlich vereinbarte Zeitfenster für Kita-Grundschul-Gespräche und gemeinsame Fallbesprechungen mit der Schulleitung vereinbaren, idealerweise im Rahmen des Bildungsauftrags statt ehrenamtlich.
  • Bedarfe dokumentieren: Über „Klasse 0"-Plätze und Förderbedarfe im Haus systematisch Buch führen – solche Daten sind das wirksamste Argument gegenüber Träger und Jugendamt, dass vor der Einschulung investiert werden muss.

Häufige Fragen

Was ist „Klasse 0 – fit für die Einschulung“? Ein Programm, das seit März 2026 an rund 150 Grundschulen erprobt wird. Kita-Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf werden zweimal pro Woche für je zwei Stunden in Kleingruppen von maximal zehn Kindern gefördert.

Wer trägt das Programm? Die Bildungsinitiative #wirfürschule.

Wie bewerten Kita-Fachkräfteverbände das Programm? Sie begrüßen die engere Zusammenarbeit von Kitas und Grundschulen, warnen aber vor einer Verlagerung des Problems, das früher beginne und an Personalschlüsseln, Räumen und Zeit hänge.


Quellen & Referenzen

  • #wirfürschule: Programmseite „Klasse 0 – Fit für den Schulstart" mit Ablaufplan der zweiten Runde (Interessensbekundung, Auswahl, Start 01.11.2026). wirfuerschule.de
  • ROSSMANN: „ROSSMANN setzt ‚Klasse 0' mit 1 Million Euro Anschlussförderung fort" – Pressemeldung zur Anschlussfinanzierung und zum wachsenden Fördernetzwerk. unternehmen.rossmann.de
  • Presseportal: Pressemitteilung „Mehr als 100 Schulen starten mit ‚Klasse 0'" – Förderumfang, Auswahlkriterien und geplante Evaluation. presseportal.de
  • tagesschau: „Mit der ‚Klasse 0' fit für die Einschulung" – Reportage aus der Praxis mit Forderung nach Förderung 1,5 Jahre vor der Einschulung. tagesschau.de
  • bildungsklick (Klett-Themendienst): „Klasse 0: Konzentration für eine Viertelstunde als Ziel" – Innenansicht einer beteiligten Grundschule, inkl. Rückstellungspraxis. bildungsklick.de
  • Kita-Fachkräfteverband Niedersachsen-Bremen: Gemeinsame Stellungnahme der Kita-Fachkräfteverbände zur geplanten „Klasse 0" („Sprachförderung braucht das Große Ganze"). kfkv-niedersachsen-bremen.de
#Klasse0#Schulvorbereitung#ÜbergangKitaSchule#Sprachförderung#Bildungsgerechtigkeit#KooperationKitaGrundschule#VorschulischeFörderung

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung recherchiert und aus den genannten Quellen zusammengestellt. Maßgeblich sind die verlinkten Originalquellen. Hinweise oder Korrekturen an admin@connect-social.de.

Der kostenlose Wochenüberblick per E-Mail

Die wichtigsten Beiträge der Woche, einmal pro Woche. Kostenlos, ohne Verpflichtung und jederzeit mit einem Klick abbestellbar.

Kostenlos und jederzeit abbestellbar. Du bekommst zuerst eine E-Mail, in der du deine Anmeldung bestätigst (Double-Opt-in). Mehr in der Datenschutzerklärung.