Kita-Fachnews
Holztrittsteine von einem kleinen zu einem großen Haus (Themenfeld Übergänge & Grundschule)
Übergänge & Grundschule

MITsprache in Bremen: Neues Landesprogramm verbindet Übergang Kita–Grundschule, Diagnostik und Förderung

Bremen startet MITsprache an 25 Startchancen-Grundschulen: App-Diagnostik, Kleingruppen und Elternarbeit am Übergang Kita–Schule.

Aktuelle Entwicklung & wissenschaftlicher/fachlicher Hintergrund

Bremen bekommt am Übergang von der Kita in die Grundschule ein neues, landesweit ausgerolltes Sprachförderprogramm: MITsprache startet nach den Herbstferien an allen 25 Startchancen-Grundschulen des Landes. Das hat der Senator für Kinder und Bildung am 15. September 2026 mitgeteilt. Das Programm ist Teil des Startchancen-Programms und der im Februar 2026 gestarteten Offensive für mehr Bildungsqualität; Kinder- und Bildungssenator Mark Rackles ordnet es zusammen mit dem Bremer Leseband als „Grundlage unseres Landesprogramms Deutsch“ ein. In Bremerhaven arbeitet nach Angaben von Schuldezernent Hauke Hilz bereits rund ein Drittel aller Grundschulen mit dem Konzept.

So funktioniert die Förderung: Die Kinder lernen in Kleingruppen mit höchstens sieben Kindern, fünf Stunden pro Woche (vier Stunden MITsprache, eine Stunde sozial-emotionale Förderung) als tägliches Förderband. Drei Handpuppen – Mimi, Draco und Konstantin – führen durch eine gemeinsame Rahmengeschichte. Die Kinder sprechen mit den Figuren, nicht über sie, probieren neue Wörter aus, erzählen und lernen, Gefühle zu benennen und Impulse zu steuern. Feste Gesprächsrituale geben zusätzliche Orientierung.

Diagnostik und Monitoring: Der Sprachstand wird per App in acht bis zwölf Minuten erfasst – praxiserprobt, datenschutzkonform und direkt mit den passenden Fördermaterialien verknüpft. Bis zu drei weitere Erhebungen pro Jahr machen individuelle Lernverläufe sichtbar und speisen ein digitales Bildungsmonitoring. Fachlich baut MITsprache auf dem Programm der Stiftung Fairchance auf, das auf „Deutsch für den Schulstart“ der Universität Heidelberg zurückgeht und dessen Wirksamkeit zwischen 2011 und 2015 unabhängig von der Ludwig-Maximilians-Universität München evaluiert wurde: Geförderte Kinder zeigten einen signifikant höheren Zuwachs ihrer Sprachkompetenzen als eine Vergleichsgruppe. Das Programm ruht auf vier Säulen – Fördermaterial, Fortbildung der beteiligten Lehrkräfte und Erzieher*innen, sozialpädagogische Elternarbeit und Digitalisierung mit aktivem Bildungsmonitoring. In Bremen prüft das IQHB die Wirkung unter anderem bei Wortschatz, Satzbau, Grammatik und Erzählfähigkeit. 2027/28 wird MITsprache mit dem Leseband verzahnt, 2028/29 rückt das Textverstehen in den Mittelpunkt. Die Elternzusammenarbeit wird ausdrücklich mehrsprachig und niedrigschwellig gestaltet.

Einordnung für Kitas: Das Programm betrifft Kitas doppelt – als abgebende Einrichtung, deren Beobachtungen im Übergang weiterwirken sollen, und als Ort, an dem alltagsintegrierte sprachliche Bildung die Grundlage legt. Bundesweit entstehen derzeit vergleichbare Übergangssysteme: Schleswig-Holstein verknüpft mit „Entwicklungsfokus Viereinhalb“ (EVi) die Kita-Ergebnisse mit der schulischen Sprachstandsfeststellung, und das SCQEG (Kabinettsentwurf vom 2. September 2026) soll die Weitergabe der Ergebnisse aus Sprach- und Entwicklungsstandserhebungen an die Grundschule ausdrücklich ermöglichen. Der Entwurf kalkuliert dafür zwei Personalstunden je Kind für die Erhebung und mindestens 30 Minuten pro Kind und Woche für die Planung und Begleitung der Förderung; Einrichtungen in herausfordernden Lagen sollen bis zu 1,5 zusätzliche Stellen erhalten, mindestens zehn Prozent der Kitas je Land. Zugleich zeigt der VBE-Meinungstrend unter rund 5.000 Kitaleitungen (DKLK-Studie 2026) die Bruchstelle: 40 Prozent der Einrichtungen kooperieren nur ein- bis zweimal jährlich mit der abnehmenden Grundschule, und nur gut ein Drittel bezieht Kinder systematisch in die Gestaltung des Übergangs ein. Gelingende Übergänge brauchen deshalb Zeit, Personal und verabredete Strukturen – nicht nur ein neues Programm. Wie breit das Modell bereits steht, zeigt die Trägerbilanz: MITsprache ist an über 150 Bildungseinrichtungen in zehn Bundesländern im Einsatz, mit nach Angaben der Stiftung mehr als 3.300 geförderten Kindern und rund 250.000 Sprachförderstunden pro Jahr.

Praxistransfer & Handlungsimpulse

Für Sprachförderkräfte - Die Kurzdiagnostik (8–12 Minuten) als Planungsanlass nutzen und die Förderziele direkt an das beobachtete Profil koppeln – Wortschatz, Satzbau, Erzählfähigkeit getrennt betrachten. - Die bis zu drei Folgeerhebungen im Jahr für Verlaufsdokumentation und Zieljustierung verwenden statt für Momentaufnahmen. - Vorhandene Bilderbücher, Handpuppen und Erzählrituale mit den MITsprache-Materialien verbinden, damit Förderung nicht als separates Angebot neben dem Alltag steht.

Für pädagogische Fachkräfte im Gruppenalltag - Figuren als Sprechanlass einsetzen: Kinder erzählen lassen, nicht abfragen; offene Fragen, Wartezeit, Wiederholung. - Feste Gesprächsrituale (Morgenkreis, Essen, Übergänge) für Gefühls- und Handlungswortschatz nutzen – „benennen, verstehen, regulieren“ gehört zusammen. - Mehrsprachigkeit sichtbar machen: Familiensprachen in Begrüßungen, Liedern und Namensaussprache aufgreifen; Eltern in ihrer starken Sprache ansprechen.

Für Kita-Leitungen - Kooperationsstruktur mit den Startchancen-Grundschulen verbindlich vereinbaren: Wer übergibt welche Beobachtungen, zu welchem Zeitpunkt, mit welcher Einwilligung der Eltern? - Zeit für Diagnostik, Förderplanung und Übergabegespräche in der Dienstplanung verankern, statt sie als Zusatzaufgabe zu behandeln. - Qualifizierung und mehrsprachige Elternarbeit finanziell und personell absichern; Ergebnisse aus dem Bildungsmonitoring für die Konzeptentwicklung nutzen.

Häufige Fragen

Was ist MITsprache? Ein neues Bremer Sprachförderprogramm am Übergang Kita–Grundschule. Es startet nach den Herbstferien an allen 25 Startchancen-Grundschulen des Landes.

Wie läuft die Förderung ab? In Kleingruppen mit höchstens sieben Kindern, fünf Stunden pro Woche (vier Stunden MITsprache, eine Stunde sozial-emotionale Förderung). Drei Handpuppen führen durch eine gemeinsame Rahmengeschichte.

Wie wird der Sprachstand erfasst? Per App in acht bis zwölf Minuten. Bis zu drei weitere Erhebungen pro Jahr machen individuelle Lernverläufe sichtbar.

Quellen & Referenzen

  • Senator für Kinder und Bildung Bremen: „MITsprache startet nach den Ferien an 25 Bremer Startchancen-Grundschulen“ (15.09.2026): senatspressestelle.bremen.de und bildung.bremen.de
  • Stiftung Fairchance: Sprachförderung mit MITsprache (vier Säulen, Evaluationsbericht LMU München): stiftung-fairchance.org
  • Universität Heidelberg: „Deutsch für den Schulstart“ (Grundlage des Programms): deutsch-fuer-den-schulstart.de
  • Land Schleswig-Holstein: Entwicklungsfokus Viereinhalb (EVi) – Kabinettsbeschluss und Kita-/Schulgesetzänderung: schleswig-holstein.de
  • Bundesrat, Drucksache 505/26: Entwurf des SCQEG (Datenweitergabe Kita–Schule, Stand 04.09.2026): dserver.bundestag.de
  • VBE/FLEET Education: DKLK-Studie 2026, Keyfacts zu Kitaleitung und Übergang Kita–Grundschule: vbe.de
#Sprachförderung#ÜbergangKitaGrundschule#Sprachstandserhebung#MITsprache#Elternarbeit#Mehrsprachigkeit#Bildungsmonitoring

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung recherchiert und aus den genannten Quellen zusammengestellt. Maßgeblich sind die verlinkten Originalquellen. Hinweise oder Korrekturen an admin@connect-social.de.

Der kostenlose Wochenüberblick per E-Mail

Die wichtigsten Beiträge der Woche, einmal pro Woche. Kostenlos, ohne Verpflichtung und jederzeit mit einem Klick abbestellbar.

Kostenlos und jederzeit abbestellbar. Du bekommst zuerst eine E-Mail, in der du deine Anmeldung bestätigst (Double-Opt-in). Mehr in der Datenschutzerklärung.